Ein persönlicher Reisebericht aus dem Land der Ticos & Tukane

Natur pur, einsame Strände, Faultiere, Reis & Bohnen – das sind die Bilder in meinem Kopf als wir im März in Frankfurt in den Flieger steigen. Etwa vierzehn Stunden später werden wir in San José etwas zerstört wieder ausgespuckt. Es ist halb fünf morgens und jetzt heißt es wach bleiben! Wir werden bereits von unseren costa-ricanischen Partnern erwartet und zur Mietwagenstation gebracht. Etwa eine halbe Stunde später steht er vor uns: Daihatsu Bego – unser treues Gefährt für die nächsten vierzehn Tage. Ob er die 1150km, die vor uns liegen wohl unbeschadet übersteht?! Nun geht es erst einmal zu unserem Hotel in Santa Ana, einer Kleinstadt etwa 10km von San José entfernt. Laut google maps beträgt die Fahrzeit etwa 20min. Wäre da nicht dieser unsägliche Verkehr in den Vororten der Hauptstadt. Nach zwei Stunden habe wir es dann endlich geschafft und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Frühstücksbuffet. Da starten wir doch gleich mit einem typischen Tico-Frühstück. Pinto Gallo (Reis vom Vortag mit roten oder schwarzen Bohnen), dazu Rührei und Kochbananen. Köstlich! “Lo comemos cada día” (“Das essen wir jeden Tag”) berichtet uns die Hotelmanagerin fröhlich. Den restlichen Tag verbringen wir im jetlag-Modus am Pool, machen eine kleinen Spaziergang durch Downtown Santa Ana und halten am Abend unsere erste Quesadilla in den Händen.

Am nächsten Morgen sind wir aufgrund der Zeitverschiebung schon früh wach. Nach dem Frühstück (Pinto Gallo!) brechen wir auf zu unserem ersten Etappenziel: dem imposanten Vulkan Arenal! Unsere Unterkunft befindet sich im Ort La Fortuna, der zugegebenermaßen sehr touristisch ist. Fährt man jedoch Richtung Vulkan und Arenal-See, ist man schnell mitten in unberührter Natur. Wir fahren zum Bergdorf El Castillo und von dort immer weiter bergauf bis die Straße sich in einen steinigen, steilen Pfad verwandelt und selbst unser Allradantrieb nicht mehr hilft. Aber das macht überhaupt nichts, denn von hier oben haben wir einen fantastischen Blick auf den schlafenden Riesen und den angrenzenden größten Binnensee des Landes.

Anschließend brauchen wir eine kleine Stärkung und halten am “La Ventanita” (“kleines Fenster”). Durch dieses Fensterchen reicht uns der Besitzer Kenny die beste Quesadilla, die wir auf unserer Reise essen werden! Von ihm bekommen wir auch den Tipp, zu einer wunderschönen Stelle am Fluss (gegenüber der Rancho Margot) zu fahren. Das Wasser ist glasklar und als plötzlich einige Ticos (wie sich die Einwohner Costa Ricas nennen) mit ihren Pferden durch das Wasser traben, ist das Bild perfekt. Für den folgenden Tag haben wir uns die Besteigung des Vulkan Cerro Chato, dem schlafenden Nachbarn des Arenal, vorgenommen. Auf 1100m Höhe befindet sich ein Vulkansee, in dem man baden kann. Das klingt alles sehr vielversprechend, nur leider spielt das Wetter uns an diesem Morgen einen Streich. Wir machen uns dennoch auf den Weg, nichts ahnend, dass sich diese Wanderung als schweißtreibende Kletterpartie entpuppen wird. Zunächst führt der Pfad durch unberührten Urwald, wird dann jedoch immer steiler und vor allem matschiger. Nach einem gefühlt endlosen Aufstieg und einigen “Ausrutschern” stehen wir endlich am Kraterrand. Jetzt nur noch ein paar Meter nach unten und endlich liegt er zu unseren Füßen: der Kratersee. Das Wasser ist allerdings recht kühl und die Nebelwand verwehrt uns jeglichen Blick auf die andere Seite. Doch dann verzieht sich der weiße Dunst und die Sonne scheint durch die Baumwipfel. Der Abstieg ist noch anstregender als der Aufstieg und nach sechs Stunden sind wir erschöpft wieder zurück am Fuß des Vulkans. Welch ein Glück, dass sich in der Region zahlreiche heiße Quellen befinden. Den Abend verbringen wir mit einem Pina Colada im warmen Wasser der Eco Termales Hot Springs. Der Eintritt ist mit 36 $ nicht gerade günstig, aber ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

Unsere weitere Reise führt uns Richtung Süden an die Pazifikküste. Die Fahrt dauert etwa fünf Stunden. Die längeren Fahrzeiten sind sehr gut zu bewältigen, zumal die Straßen gut ausgebaut sind, es herrscht sehr wenig Verkehr und man kann nach Lust und Laune an menschenleeren Stränden (z.B. Playa Hermosa) pausieren. In Quepos angekommen, treffen wir Alison, die zusammen mit ihrer Familie für die nächsten beiden Nächte unsere Gastgeberin sein wird. Wir decken uns im Supermarkt mit frischem Fisch, Gemüse und Wein ein, da es auf der Isla Damas keinen Supermarkt, kein Restaurant und auch keine Straßen gibt. Genau das haben wir gesucht: Abgeschiedenheit, keine Touristen weit und breit! Auf in die Wildnis! Schon die Anreise zu unserem Häuschen ist ein kleines Abenteuer. Unseren Bego lassen wir auf einem Parkplatz in Quepos stehen. Mit einer kleinen Passagierfähre setzen wir über zur 6km² große Insel. Auf der anderen Seite steht Alisons Landrover, mit dem wir dann 20 Minuten durch den Sand cruisen, direkt am Meer entlang. Irgendwann taucht inmitten unzähliger Palmen ein kleines Häuschen auf – unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte. Wir sind begeistert! Der Strand befindet sich nur ein paar hundert Meter entfernt – kein Mensch weit und breit und ein atemberaubender Sonnenuntergang! Am 2. Abend kochen Alison und ihre Schwester ein typisches Ceviche für uns. Das Gericht stammt ursprünglich aus Peru, gilt aber auch in Costa Rica als Spezialität und ist auf fast allen Speisekarten zu finden. Es besteht aus klein geschnittenen Meeresfrüchten in Limettensaft-Marinade mit Knoblauch und Gemüse. Alisons Mutter hat Geburtstag und wir freuen uns, den Abend mit der Familie zu verbringen. Der Vater packt Rum aus, wir haben einen Kuchen und Wein besorgt.

Am nächsten Tag machen wir mit Alison und ihrem Vater eine Mangroven-Tour. Mit einem Boot fahren wir durch das ruhige Gewässer und sehen zahlreiche Vogelarten, Fledermäuse, ein Krokodil und einige Kapuzineräffchen, die unerschrocken auf dem Boot herumturnen. Alison zeigt uns außerdem einige Früchte (Sternfrucht, Cashewfrucht, Mangos, etc.).

Nach zwei Tagen heißt es leider Abschied nehmen und zurückkehren in die Zivilisation. Bego wartet bereits auf uns und bringt uns zu unserem nächsten Ziel, nach Ojochal. Wir entscheiden uns für eine wunderschöne Unterkunft etwas außerhalb des Ortes: eine Safari Lodge. Die feststehenden, komfortablen Zelte stehen in einem Hang oberhalb eines rauschenden Flusses. Den Nachmittag verbringen wir im glasklaren Wasser, lassen uns von den kleinen Wasserfällen massieren und entspannen in bunten Hängematten, die zwischen den Bäumen gespannt sind. Ein Traum! Am frühen Abend wollen wir noch ein wenig die Umgebung erkunden, die aus nichts als dichtem Dschungel besteht. Wir folgen einem kleinen Pfad, der immer tiefer in den Regenwald hineinführt und werden dabei von einem lautstarken Zikadenkonzert begleitet. Mein kühner Gang wird leicht gedrosselt als ich fast in die behaarten Ärmchen einer Spinne stolpere. Als dann urplötzlich eine Gruppe Brüllaffen ihre ohrenbetäubenden Schreie ausstoßen, drehen wir langsam um, kurz bevor sich die letzten Sonnenstrahlen verabschied

Nach zwei Nächten in Ojochal (übrigens sind die Strände an der Costa Ballena sehr zu empfehlen. Tipp: Sonnenuntergang am Playa Uvita anschauen) brechen wir auf zur Osa Halbinsel, ganz im Süden Costa Ricas. Auch hier ist die Anreise ein Erlebnis! Zunächst fahren wir ca. vier Stunden mit dem Auto bis nach Carate. Dort ist Endstation für motorisierte Fahrzeuge und wir laufen die verbleibenden 3,5 km zu Fuß bis zu unserer Unterkunft. Unsere Rucksäcke geben wir einem Tico, der unser Gepäck mit seinem Pferdewagen über den Strand kutschiert. Auf dem Weg entdecken wir schon einige Aras, die ihre leuchtenden Flügel ausbreiten. Die Freude ist groß, als wir an der La Leona Eco Lodge ankommen, die oberhalb des menschenleeren Strandes und direkt am Rand des Corcovado Nationalparks liegt. Wir übernachten auch hier in einem feststehenden Zelt, das wir nach 160 Stufen erreichen. In den Zelten gibt es keinen Strom. Balkon und Freiluft-Badezimmer kann man abends mit Kerzen beleuchten.

Wir verbringen zwei wunderbare Tage in der Lodge. Es werden verschiedene Touren im Corcovado Nationalpark angeboten (nur mit Guide möglich), aber natürlich gibt es auch viele Möglichkeiten für eigene Erkundung. Der Corcovado Nationalpark gehört zu den artenreichsten Gebieten des Landes. Man kann hier wirklich sehr viele Tiere entdecken: Tapire, Ameisenbären, Nasenbären, Schlangen, Affen, unzählige Vogelarten, etc.. Faultiere sind nur sehr schwer zu erkennen, da sie meist regungslos im Baum sitzen (nur wenn sie einmal in der Woche ihr Geschäft verrichten, klettern sie runter auf den Waldboden). Wir haben im Corcovado Nationalpark keine gesehen, dafür aber in Uvita gleich zwei. Auf dem Weg nach San Gerardo de Dota haben wir dort einen Stopp eingelegt. Wer Lust auf ein bisschen Nervenkitzel hat, sollte die Cascada Verde besuchen. Der Wasserfall fungiert als natürliche Wasserrutsche und stürzt etwa vier Meter in ein tiefes Becken (macht unglaublich viel Spaß!). Hier trifft man natürlich auf einige andere Touristen aber auch auf Einheimische. In San Gerardo de Dota verbringen wir ebenfalls nur eine Nacht. Als wir ankommen, ist es deutlich kühler als an der Küste und es regnet. Kein Wunder, der winzige Ort liegt im Hochland Costa Ricas, auf etwa 2000 Metern Höhe. Man kann hier hervorragend Vögel beobachten, unter anderem den scheuen Quetzal. Eine Legende besagt, dass sich der Quetzal in Gefangenschaft selbst töten. Deshalb ist er ein Symbol für Freiheit. Wir haben Glück und sehen sogar einen dieser prachtvollen Exemplare.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und für uns geht es weiter nach Turrialba. Die Stadt liegt direkt am gleichnamigen, aktiven Vulkan. Zuletzt brach dieser 2016 aus und auch Anfang 2017 gab es mehrere Ascheeruptionen. Wir fahren trotzdem hin, denn wir wollen unbedingt eine Rafting Tour auf dem Rio Pacuare machen. Der 108km lange Fluss gehört zu den besten Rafting-Revieren der Welt und in Turrialba gibt es zahlreiche Tour-Anbieter. Nach der Ankunft schauen wir uns bei einem kleinen Spaziergang die Stadt an. Es gibt hier keine besonderen Sehenswürdigkeiten, aber man kann wunderbar das alltägliche Leben der Einheimischen beobachten und frisches Obst und Gemüse auf dem überdachten Markt kaufen. Die bunten Häuserfassaden tragen zu der heiteren Stimmung bei, die die Stadt auf uns ausstrahlt. Da wir auf unserer Reise schon mehrere “casados” (typisches Menü aus Reis, Bohnen, Fleisch oder Fisch und Salat) verspeist haben, gibt es heute Abend einen selbstkreierten Mango-Avocado-Salat. Am nächsten Morgen steht die Rafting Tour auf dem Programm. Mit einem Bus fahren wir zunächst eine Stunde bis zum Startpunkt am Fluss. Dann bekommen wir eine Schwimmweste, einen Helm, natürlich eine kurze Einweisung und schon geht es los! Wir paddeln durch wunderschöne, saftig grüne Landschaft und passieren zahlreiche Stromschnellen. Auf der Hälfte der Strecke machen wir eine Pause an einem Wasserfall und als kleine Stärkung werden frische Ananas und Melone aufgeschnitten. Nach ca. drei Stunden erreichen wir ziemlich erschöpft den Ort Siquirres. Bevor wir zurück nach Turrialba fahren, gibt es noch ein Mittagessen für die ganze Gruppe – natürlich casado :) Leider neigt sich unsere Reise dem Ende und wir müssen schon am nächsten Tag zurück nach San José fahren. Die letzte Nacht verbringen wir in der Nähe des Flughafens, da der Flieger schon früh am Morgen Richtung Frankfurt startet.

Abschließend kann ich nur sagen, dass meine Erwartungen an dieses vielfältige Land nicht enttäuscht wurden. Wer unberührte Natur und Tiere liebt, aktiv sein möchte und traumhaft schöne Strände sucht, ist in Costa Rica definitiv gut aufgehoben. Die Ticos sind ein sehr entspanntes und gastfreundliches Volk. Wir wurden überall sehr herzlich empfangen und mit einem gut gelaunten “Pura Vida” begrüßt. Costa Rica ist touristisch sehr gut erschlossen, aber auch wer sich lieber abseits der Touristenpfade bewegt, findet abgelegende Orte mitten in unberührter Natur und menschenleere Strände.

Diana Frauenkron, Produktmanagerin NEO Reisen